Fachanwalt

Der Fachanwalt

Als Fachanwalt wird ein Rechtsanwalt bezeichnet, wenn er auf einem bestimmten Rechtsgebiet über besondere Kenntnisse und Erfahrungen verfügt und als zusätzliche Berufsbezeichnung den Titel eines Fachanwalts in einem bestimmten Bereich führen darf. Eine Statistik der Bundesrechtsanwaltskammer hat ergeben, dass zum 1.1.2007 rund 20% der Rechtsanwälte einen Fachanwaltstitel erworben haben. Das entspricht einem Zuwachs von 3,03 % gegenüber dem Vorjahr. 27.953 Fachanwälte gab es in der Bundesrepublik insgesamt. Die Spezialisierung durch Fachanwälte spielt für 80 Prozent der befragten Mandanten einer von dem Soldan Institut geführten Studie bei der Anwaltssuche eine große Rolle. Fachanwälte können im Durchschnitt um vierzehn Euro höhere Stundensätze nehmen als ihre untitulierten Kollegen, wie eine andere Studie des Instituts ergeben hat.

Die zuständige Rechtsanwaltskammer verleiht nach Maßgabe der Fachanwaltsordnung (FAO) die Berechtigung zum Führen der Fachanwaltsbezeichnung.


Ein Rechtsanwalt kann aber mehr als zwei Fachanwaltsbezeichnungen erwerben, darf aber maximal zwei führen. Welche dieser Bezeichnungen er dann nach außen führen will, bleibt ihm überlassen. Vorraussetzung für den Erwerb ist, das er innerhalb der letzten sechs Jahre vor Antragstellung mindestens drei Jahre als Rechtsanwalt zugelassen ist und nachweisen kann, das er auf dem betreffenden Rechtsgebiet über besondere theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen verfügt. In der Regel wird als Nachweis der besonderen theoretischen Kenntnisse die Teilnahme an einem 120 Stunden umfassenden Kurs gefordert, ebenso wie mindestens drei bestandene Leistungskontrollen (mindestens einstündig, in der Regel aber fünfstündige Klausuren), in Ausnahmefällen auch noch eine mündliche Prüfung die “Fachgespräch” genannt wird. Um de praktischen Erfahrungen nachzuweisen, ist eine bestimmte Anzahl von bearbeiteten Fällen aus dem jeweiligen Fachgebiet (z. B. Familienrecht: 120 Fälle in drei Jahren) nötig. Der Rechtsanwalt muss sich nach Erwerb der Fachanwaltsbezeichnung jährlich auf dem Gebiet fortbilden, indem er wissenschaftliche Artikel auf dem entsprechenden Fachgebiet veröffentlicht oder er an einer anwaltlichen Fortbildungsveranstaltung dozierend oder hörend teilnimmt.

Gegenwärtig gibt es Fachanwaltsbezeichnungen für die folgenden Rechtsgebiete:

  • Arbeitsrecht
  • Bau- und Architektenrecht
  • Erbrecht
  • Familienrecht
  • Gewerblicher Rechtsschutz
  • Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Informationstechnologierecht
  • Insolvenzrecht
  • Medizinrecht
  • Miet- und Wohnungseigentumsrecht
  • Sozialrecht
  • Steuerrecht
  • Strafrecht
  • Transport- und Speditionsrecht
  • Urheber- und Medienrecht
  • Verkehrsrecht
  • Versicherungsrecht
  • Verwaltungsrecht

Am 11. Juni 2007 wurde auf der Satzungsversammlung der Bundesrechtsanwaltskammer die Einführung einer weiteren Fachanwaltsbezeichnung beschlossen:

  • Bank- und Kapitalmarktrecht

Die Beschlüsse der Satzungsversammlung zur Einführung einer neuen Fachanwaltschaft für Bank- und Kapitalmarktrecht wurden vom Bundesjustizministerium nicht beanstandet. Zum 01. Januar 2008 wird die Neuregelung der FAO in Kraft treten.

Auf dieser Satzungsversammlung wurde ebenfalls beschlossen, den Bundestag zu einer Verschärfung des § 43c der Bundesrechtsanwaltsordnung aufzufordern. Künftig soll die Verleihung der Fachanwaltstitel strenger geprüft werden. Den Anwaltskammern soll hierzu ein Recht zur inhaltlichen Prüfung von Bewerbern eingeräumt werden.